Die Arbeiten von Nadine Röther sind äußerlich sperrig: aus Fundholz, Schrauben, Klammern, Splittern, Beton. Sie erscheinen wie eigenwillige Wesen, die die BetrachterInnen irgendwie beäugen, behelligen, auf subtile Weise herausfordern.
Hat eine nähere Begegnung zwischen Objekt und BetrachterInnen stattgefunden, treten die inneren Werte hervor: die Schichten und Sedimente des Arbeitsprozesses, einer erlebten oder vergessenen Vergangenheit, Berichte der Materialien, der Hölzer und Schriftzeichen, Buchseiten und rostigen Nägel. Aufrichtig erzählfreudige Entdeckungskörper, Konstruktionen und Behauptungen in der Dualität zwischen Schwere und Leichtigkeit, Fragilität und Flüchtigkeit, Dichte und Auflösung, Scheitern und Neuanfang.
Röthers Arbeiten spiegeln die Unsicherheiten unserer täglichen Existenz.
Ebenfalls blitzen Textnachrichten in ihren Werken auf, als Kommentar oder Abschweifung auf den Rest des Objekts. Sie beinhalten eine hieroglyphische Komponente – codiert im Kontext der künstlerischen Arbeit, erhalten sie einen spannenden, nachhaltigen Wert. Auch Bilder, Fotos, finden Eingang in den Arbeitsprozess. Sie sind ein Bericht aus unserer Zeit; sie bleiben dort in dem Objekt bestehen, werden zu einem Teil der künstlerischen Reaktion auf gesellschaftliches Geschehen.